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"Kurier" vom 11.04.2005
Ressort: Chronik
Seite: 12
Ausgabe: Bgld,Morgen
Er war zwölf, als er nach einem Unfall seines Vaters in dessen Fußstapfen trat. Später wurde der Weinbau zur Leidenschaft. 2004 wurde Hermann Fink "Beliebtester Winzer".

"MEIN BERUF IST MEIN HOBBY"


von Viktória Erdélyi

Der Moment bleibt unvergesslich. Nicht nur ihm und seiner Familie, sondern auch jenen, die Hermann Fink bei der KURIER-Winzergala in der Eisenstädter Orangerie im Sommer vergangenen Jahres erlebt hatten. Denn als der Großhöfleiner erfuhr, dass er zum "Beliebtesten Winzer 2004" gewählt wurde, füllten sich seine Augen mit Freudentränen.

Die KURIER-Leser hatten ihn auch zum regionalen Gewinner für das Weinbaugebiet Neusiedler See- Hügelland gekürt. Und er sei bereits gerührt gewesen, als er gemeinsam mit drei Kollegen als Gebietssieger auf die Bühne gebeten wurde. "Aber als ich mich dann auch noch auf der Leinwand gesehen habe (KURIER und BEWAG überraschten ihn mit einem Filmportrait, Anm.), da war ich dann fertig, da konnte ich gar nichts mehr sagen", erinnert sich der sympathische 52-Jährige lächelnd zurück.

Die Freude über den Sieg hielt an - bei ihm und seiner Familie. Stolz holen seine Töchter jene Fotocollage aus dem Degustationsraum ihres Vaters, die sie ihm mit Bildern von der KURIER-Gala kreierten. Und auch seine Frau Waltraud schwärmt vom Erfolg ihres Mannes. "Es haben uns nach der Gala so viele Leute angerufen und darauf angesprochen. Wissen S', so eine Anerkennung im eigenen Land, das ist schon etwas ganz Besonderes, weil es so persönlich ist", sagt sie.

SCHICKSALSSCHLAG Er wollte immer Bauer werden. Seine jungen Visionen wurden jedoch zu früh, durch einen tragischen Schicksalsschlag über Nacht zur Wirklichkeit. Hermann Fink war erst 12 Jahre alt, als sein Vater bei einem Unfall schwer verletzt wurde. Acht Monate musste er im Krankenhaus verbringen, konnte sich zunächst überhaupt nicht bewegen. Die Wirtschaft, Ackerbau, Viehzucht und Weinbau, übernahm der Sohn mit seiner Mutter. "Ich werde nie vergessen, wie ich als Bub im Winter eingemummt auf dem Traktor saß."

Die Jahre vergingen und es kristallisierte sich jener Zweig heraus, der Fink am meisten faszinierte: Der Weinbau. Heute trumpft der Großhöfleiner bereits mit zehn Sorten auf. Schillernde Erfolge feiert er etwa mit seinen süßen Tropfen - im Vorjahr wurde er beispielsweise mit seinem Muskat-Ottonell Eiswein 2001 zum Landessieger gekürt. Und auch im Ausland, London, Paris, Chicago, würdigt man seine edlen Rebensäfte mit Auszeichnungen. "Die Qualität stets steigern und den Kontakt zu den Kunden pflegen", lautet sein Credo.

STARKE FAMILIE Hinter dem erfolgreichen Mann steht aber auch eine starke Familie. Tatkräftige Helfer sind sowohl seine Töchter Martina, 12, und Anna, 14, - sie will in die Fußstapfen ihres Vaters treten - als auch seine Frau Waltraud. Jahr für Jahr war er mit der gebürtigen Ritzingerin nach Mariazell gepilgert, Fink war allerdings ein "Spätberufener" - "Als es gefunkt hat, war ich schon 37", schmunzelt er. Doch die Bankangestellte wurde nicht nur zu seiner Frau, sondern auch "seine ärgste Weinkritikerin", sagt sie augenzwinkernd. "Als ich nach Großhöflein kam, hatte ich keine Ahnung vom Wein. Ich wusste gerade einmal, dass es weiße und blaue Trauben gibt", blickt Waltraud Fink zurück. Doch die Faszination ihres Mannes zum Weinbau habe sie angesteckt. Heute, sie arbeitet in Wien, freue sie sich täglich auf den Weingarten.

So geht es auch Hermann Fink. "Ich gehe raus, setze meinen Walkie (Walkman, Anm.) auf, drehe das Radio auf und das Handy ab - sogar im Winter mag ich die Arbeit im Weingarten. Mein Beruf ist eben mein Hobby."