Er
war zwölf, als er nach einem Unfall seines Vaters in dessen
Fußstapfen trat. Später wurde der Weinbau zur Leidenschaft.
2004 wurde Hermann Fink "Beliebtester Winzer".
"MEIN BERUF IST MEIN HOBBY"
von Viktória Erdélyi
Der
Moment bleibt unvergesslich. Nicht nur ihm und seiner Familie, sondern
auch jenen, die Hermann Fink bei der KURIER-Winzergala in der
Eisenstädter Orangerie im Sommer vergangenen Jahres erlebt hatten.
Denn als der Großhöfleiner erfuhr, dass er zum "Beliebtesten
Winzer 2004" gewählt wurde, füllten sich seine Augen mit
Freudentränen.
Die KURIER-Leser hatten ihn auch zum regionalen Gewinner für das
Weinbaugebiet Neusiedler See- Hügelland gekürt. Und er sei
bereits gerührt gewesen, als er gemeinsam mit drei Kollegen als
Gebietssieger auf die Bühne gebeten wurde. "Aber als ich mich dann
auch noch auf der Leinwand gesehen habe (KURIER und BEWAG
überraschten ihn mit einem Filmportrait, Anm.), da war ich dann
fertig, da konnte ich gar nichts mehr sagen", erinnert sich der
sympathische 52-Jährige lächelnd zurück.
Die Freude über
den Sieg hielt an - bei ihm und seiner Familie. Stolz holen seine
Töchter jene Fotocollage aus dem Degustationsraum ihres Vaters,
die sie ihm mit Bildern von der KURIER-Gala kreierten. Und auch seine
Frau Waltraud schwärmt vom Erfolg ihres Mannes. "Es haben uns nach
der Gala so viele Leute angerufen und darauf angesprochen. Wissen S',
so eine Anerkennung im eigenen Land, das ist schon etwas ganz
Besonderes, weil es so persönlich ist", sagt sie.
SCHICKSALSSCHLAG Er wollte immer Bauer werden. Seine jungen Visionen
wurden jedoch zu früh, durch einen tragischen Schicksalsschlag
über Nacht zur Wirklichkeit. Hermann Fink war erst 12 Jahre alt,
als sein Vater bei einem Unfall schwer verletzt wurde. Acht Monate
musste er im Krankenhaus verbringen, konnte sich zunächst
überhaupt nicht bewegen. Die Wirtschaft, Ackerbau, Viehzucht und
Weinbau, übernahm der Sohn mit seiner Mutter. "Ich werde nie
vergessen, wie ich als Bub im Winter eingemummt auf dem Traktor
saß."
Die Jahre vergingen und es kristallisierte sich jener Zweig heraus, der
Fink am meisten faszinierte: Der Weinbau. Heute trumpft der
Großhöfleiner bereits mit zehn Sorten auf. Schillernde
Erfolge feiert er etwa mit seinen süßen Tropfen - im Vorjahr
wurde er beispielsweise mit seinem Muskat-Ottonell Eiswein 2001 zum
Landessieger gekürt. Und auch im Ausland, London, Paris, Chicago,
würdigt man seine edlen Rebensäfte mit Auszeichnungen. "Die
Qualität stets steigern und den Kontakt zu den Kunden pflegen",
lautet sein Credo.
STARKE FAMILIE Hinter dem erfolgreichen Mann steht aber auch eine
starke Familie. Tatkräftige Helfer sind sowohl seine Töchter
Martina, 12, und Anna, 14, - sie will in die Fußstapfen ihres
Vaters treten - als auch seine Frau Waltraud. Jahr für Jahr war er
mit der gebürtigen Ritzingerin nach Mariazell gepilgert, Fink war
allerdings ein "Spätberufener" - "Als es gefunkt hat, war ich
schon 37", schmunzelt er. Doch die Bankangestellte wurde nicht nur zu
seiner Frau, sondern auch "seine ärgste Weinkritikerin", sagt sie
augenzwinkernd. "Als ich nach Großhöflein kam, hatte ich
keine Ahnung vom Wein. Ich wusste gerade einmal, dass es weiße
und blaue Trauben gibt", blickt Waltraud Fink zurück. Doch die
Faszination ihres Mannes zum Weinbau habe sie angesteckt. Heute, sie
arbeitet in Wien, freue sie sich täglich auf den Weingarten.
So geht es auch Hermann Fink. "Ich gehe raus, setze meinen Walkie
(Walkman, Anm.) auf, drehe das Radio auf und das Handy ab - sogar im
Winter mag ich die Arbeit im Weingarten. Mein Beruf ist eben mein
Hobby."
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